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Die aktuelle Fatwa: Mai 2023

28.05.2023

Islamweb: University Grants and Students’ Loans in Western Countries

Thema dieser Fatwa ist ein Studienkredit. Das ist eine Frage, die immer mal wieder gestellt wird. Hier besorgen den Fragesteller nicht nur die Zinsen des Kredits, sondern auch dass es an der Universität keine Geschlechtertrennung gibt und ob ein Stipendium auf dieser Basis erlaubt (halal) wäre.
Der streng sunnitische Mufti stellt zunächst klar, dass zwar das Prinzip sei, dass verzinste Kredite verboten seien, aber auch das Prinzip sei, dass Stipendien erlaubt seien. Auch mache der verzinste Studienkredit das Stipendium nicht verboten.
Interessant ist was nun folgt, denn der Mufti zitiert recht ausführlich einen anderen sunnitischen Fatwa-Online-Dienst, der eine andere Ansicht hat. Das zeigt, dass den Internetmuftis ihre Mitbewerber bekannt sind und dass sie in diesem Fall auch anerkannt werden und ein Meinungsspektrum unter ihnen eröffnet und toleriert wird. Leider wird die genaue Quelle nicht angegeben, was durch eine Verlinkung leicht umsetzbar gewesen wäre.
Inhaltlich teilt das Assembly of Muslim Jurists of America (AMJA) danach die Auffassung, dass verzinste Kredite grundsätzlich verboten seien, aber wenn sie die einzige Möglichkeit seien zu studieren, dann wären sie erlaubt aufgrund Notwendigkeit. Eine vorrangige erlaubte Alternative seien Fördergelder durch Unternehmen oder Organisationen gegen die Verpflichtung nach dem Studium für sie zu arbeiten. Eine andere Alternative seien Stipendien, die ermöglichten teilweise zu studieren und zu arbeiten. Eine weitere Alternative seien schließlich Kredite bei denen der Staat die Zinsen zahle. Das ist dann aber nochmal interessant, denn so ganz grundsätzlich scheinen auch danach verzinste Kredite für Muslime nicht verboten zu sein. Entscheidend ist, dass ein Anderer die Zinsen zahlt.

Schlagworte: Kredit, Studium, Zinsen, Stipendium, Notwendigkeit

21.05.2023

About Islam: Are Muslims Allowed to Date?

In dieser Fatwa geht es um die Eheanbahnung auf islamische Art. Ausgelöst wurde die Fatwa durch die Frage, ob Dating erlaubt sei, was der streng sunnitische Fatwa-Online-Dienst klar verneint.
Die Suche nach einem Ehepartner solle nicht leicht genommen werden oder den Hormonen oder dem Zufall überlassen werden. Stattdessen solle die ehewillige Person beten, dass Gott helfe die richtige Person zu finden. Außerdem solle die Familie nach geeigneten Personen Ausschau halten und sie vorschlagen. Üblicherweise würden dann die Eltern ein Treffen mit der anderen Familie vorschlagen. An dieser Stelle werden zwei Überlieferungen von Muhammad zitiert, darunter der beliebte Hadith, dass wenn ein Mann und eine Frau alleine seien, der Satan der dritte Anwesende sei. Dann solle die Familie den möglichen Ehepartner weiter untersuchen, indem sie mit Freunden, Kollegen usw. spreche. Beide möglichen Ehepartner sollten weiterhin beten. Sie könnten aber nicht in die Ehe gezwungen werden. Beide Partner, also Mann und Frau, könnten das frei entscheiden. Die Beteiligung der Familie würde sicherstellen, dass die Wahl des Ehepartners nicht auf romantischen Vorstellungen beruhe, sondern auf einer objektiven Einschätzung. In der Tat wird in westlichen Gesellschaften der Einfluss der Familie zu sehr verkannt, in diesem Modell aber ist er viel zu groß.

Schlagworte: Eheanbahnung, Gebet, Familie, Entscheidungsfreiheit

14.05.2023

Darul Ifta Birmingham: Is It Permissible To Eat Meat and Poultry Products Certified by Halal Monitoring Board (HMB)?

In dieser Fatwa wird eine Organisation geprüft, die sogenannte Halal-Zertifikate für Lebensmittel ausstellt. Speziell geht es darum, ob ein Tier vor dem Schlachten betäubt werden darf. Die geprüfte Organisation schließt eine Betäubung nicht grundsätzlich aus. Die recht diferenzierte Beschreibung dieser Organisation, die in der Fatwa verlinkt ist, verweist darauf, dass eine Betäubung möglich ist, die nicht zum Tod des Tieres führt. Dieses Argument ist sicher ein Versuch anderen Meinungen den Wind aus den Segeln zu nehmen, denn so könnte man sicherstellen, dass das Tier bei der rituellen Schlachtung noch am Leben ist. Gleichwohl überzeugt das den der streng hanafitischen Richtung der Deobandis angehörenden Mufti nicht. Er hat Zweifel, ob tatsächlich alle Tiere nach der Betäubung noch am Leben sind. Das mag auch dem geschuldet sein, dass die sehr differenzierte Beschreibung des Zertifikators ein paar Unschärfen hat. Außerdem könne aufgrund der Masse an Schlachtungen in Schlachthäusern nicht bei jedem Tier nach der Betäubung geprüft werden, ob es noch am Leben sei. Wenn das Tier aber schon durch die Betäubung vor dem Schlachten sterbe, sei es verboten (haram). Aus dieser Unsicherheit schließt der Mufti allerdings nicht, dass Fleisch mit dem Halal-Zertifikat dieser Organisation nun selbst gänzlich verboten (haram) sei, sondern man solle bloß vorsichtig sein. Er empfiehlt allerdings eine andere Organisation, die Halal-Zertifikate ausstellt und Betäubungen kategorisch ausschließt. Abhängig von seiner Bedeutung spielt der Mufti hier mithin seine Marktmacht aus, letztendlich geht es nämlich um den Gewinn von Lebensmittelkonzernen.

Schlagworte: Schlachten, Betäubung, Tod, Halal-Zertifikat, Großbritannien, Deobandis

07.05.2023

Ask Imam: Desiring to becoming an Alim - Please advise me

Der Fragesteller möchte gerne ein islamischer Gelehrter (Alim) werden, aber seine Mutter möchte dass er Medizin studiert. Er habe dem zugestimmt und angekündigt nach dem Medzinstudium eine Ausbildung zum islamischen Gelehrten zu absolvieren. Der Konflikt ist dmit nicht gelöst, denn die Mutter führe die hohen Studiengebühren an, die sie für sein Medizinstudium zahlen werde. Manchmal drohe sie ihm islamische Unterweisung zu verbieten. Der Fragesteller verweist auf einen bekannten pakistanischen Fernsehprediger, dessen Eltern ebenfalls wollten, dass er Mediziner werde.
Wer meint der hanafitische Mufti, der diese Frage beantwortet, würde sich nun für den Fragesteller aussprechen, weil er ebenfalls ein Geistlicher ist, wird enttäuscht. Der Mufti stellt zunächst einmal fest, dass nicht jeder ein islamischer Gelehrter werden müsst, es handelt sich mithin nicht um eine Indivualpflicht, die von jedem zu erfüllen ist, sondern nur um eine Kollektivpflicht, d. h. es muss ausreichend islamische Gelehrte geben. Außerdem führt er fünf Eigenshcaften auf, die der Fragesteller erfüllen soll. Darunter findet sich auch, dass er pflichtbewusst gegenüber seinen Eltern sein soll. Das deutet weiter darauf hin, dass er Medizin studieren soll. Ferner soll er sich von der Sünde fernhalten, insbesondere an der Universität. Auch das ist ein Hinweis auf das Medizinstudium, weil hier nicht die typischen Bezeichnungen für islamische Lehranstalten (z. B. Madrasa) verwendet werden und weil wohl nach Ansicht des Muftis an einer weltlichen Universität eher Sünden drohen. Der Mufti lässt allerdings die Möglichkeit offen irgendwann in der Zukunft islamischer Gelehrter zu werden, wenn die Umstände es erlauben würden. Zwei Ausbildungen abzuschließen und mehr und breiteres Wissen zu erwerben dürfte nicht verkehrt sein.

Schlagworte: islamischer Gelehrter, Medizin, Eltern, Hanafiten, Südafrika