Die aktuelle Fatwa Cyberfatwa Publikationen zum Fatwawesen Personenverzeichnis Statistik zu Fatwas über Alkohol und neue Medien Verzeichnis der Signaturen der Fatwaanbieter Cyberislam News Impressum, Haftungshinweis und Datenschutzerklärung

Die aktuelle Fatwa: November 2023

25.11.2023

muftisays: husband refuses to move out of my parents house

Immer wieder gibt es Fatwas, bei denen die Frage interessanter ist als die Antwort, weil sie die Verhältnisse schildert, in denen die Fragesteller leben. Die Fragestellerin hat die Frage schon ein paar Jahre aufgeschoben. Im Jahre 2017 hat sie geheiratet. Zu dieser Zeit hat ihr Ehemann in Dubai gearbeitet, während sie in Amerika lebt. Damals gehörten ihrem Vater zwei Tankstellen, wovon eine von der Fragestellerin betrieben wurde. Irgendwann im Laufe der Zeit kam ihr Ehemann (möglicherweise zum ersten Mal) in die Vereinigten Staaten. Seitdem wohnen die Ehegatten mietfrei im Haus ihrer Eltern. Er zahlte weder Rechnungen noch kaufte er Lebensmittel ein. Die Fragestellerin zahlte ihr Einkommen auf ein gemeinsames Konto ein. Allerdings arbeitete er zwei Jahre im Hauptgeschäft ihres Vaters. Dann wollte er Lastwagen fahren und machte einen entsprechenden Führerschein. Etwa zwei Jahre fuhr er Lastwagen. Dann wollte sie eine künstliche Befruchtung finanzieren, aber das Geld war weg. Er hatte 50.000 Dollar in Kryptowährungen verloren und den Rest seinen Verwandten in Pakistan spendiert, um ein Haus zu bauen.
Gleichwohl arbeitete er wieder im Laden ihres Vaters und dieser gab ihm daran sogar eine Beteiligung in Höhe von 20 Prozent, weil er drohte die Antragstellerin zu verlassen. Weiterhin behauptet die Fragestellerin einen Videobeweis dafür zu haben, dass ihr Ehemann Rechnungen entwertet habe, das Geld in eine Schublade gesteckt habe und am Ende der Schicht mitgenommen habe. Er habe auch schon ihren Vater und seinen Geschäftspartner um Vergebung gebeten. Nun solle sie ihrem Vater sagen, dass sie ihn dazu aufgefordert habe, um Vergebung zu bitten. Die Fragestellerin möchte wissen, ob sie sich von ihrem Ehemann trennen kann.
Die Antwort fällt überraschend kurz aus. Der Mufti greift zunächst das Stichwort Vergebung auf und rät dazu aus jeder Familie einen Vermittler zu schicken, was er mit einem Koranvers belegt (Sure 4, 35). Er weist aber auch auf die Möglichkeit der Scheidung hin, wiederum mit einem Koranvers (Sure 2, 227). Letztendlich empfiehlt er aber noch die Beratung durch den lokalen Imam. Der Mufti hätte hier die Möglichkeiten der Scheidung, die für die Frau bestehen, noch näher erläutern können. Ferner hätte er, auch wenn nicht danach gefragt war, die Möglichkeiten der Auflösung der Geschäftsbeteiligung thematisieren können.

Schlagworte: Familienrecht, Scheidung, Einkommen, Miete, Geschäftsbeteiligung, Unterschlagung, Vergebung, Deobandis

19.11.2023

MEMRI: Former Grand Mufti of Egypt Sheikh Dr. Ali Gomaa: The Destruction of Israel Will Lead to a Battle in Which the Muslims Will Defeat America and Russia

Eine bemerkenswerte Einordnung des Nahostkonflikts hat der ehemalige Staatsmufti Ägyptens Dr. Ali Gomaa in einem Vortrag vorgenommen. Er interpretiert den Konflikt nämlich im Rahmen der islamischen Apokalypse. Nachdem er zwar einleitend erklärt, dass man nicht wisse, was nach einer Zerstörung Israels passiere, stellt er sich sodann folgendes Szenario für diesen Fall vor.
Amerika würde sofort einmarschieren. Sodann bezieht er sich auf eine Überlieferung von Muhammad (Hadith), wonach die Muslime gegen Rom kämpfen würden. Rom seien nun die Amerikaner. Wenn die Amerikaner einmarschierten, würden auch die Russen einmarschieren. Die Russen seien Gog und Magog. Gomaa begreift Gog und Magog wohl am ehesten als Völker. Das entspricht der verbreiteten Auffassung von Gog und Magog, die schon in der jüdischen und christlichen Apokalypse vorkommen. Vermutlich unbeabsichtigt zeigt er hier einen gemeinsamen Aspekt der drei abrahamitischen Religionen auf, der aber durch die Gleichsetzung mit den Russen sofort wieder verwischt wird.
Die Muslime würden also nun gegen die Amerikaner und die Russen kämpfen. Deshalb würde diese Angelegenheit eine direkte göttliche Intervention erfordern, wobei sich der Mufti wieder auf Muhammad bezieht. Dann würde Jesus (als Teil der islamischen Apokalypse) herabsteigen und Gog und Magog töten. Daraufhin würden die Muslime Rom (also die Amerikaner) besiegen.
Was der ehemalige Staatsmufti bezweckt, bleibt zumindest leicht nebulös. Zwar ruft er nicht direkt zum Kampf oder zur Unterstützung der Palästinenser auf, redet aber von muslimischer Erde und geht ganz selbstverständlich in dem von ihm entworfenen Szenario davon aus, dass die Muslime kämpfen würden. Andererseits entwirft er ein vergeistigtes theoretisches Bild der Apokalypse und redet im Ton nicht von einer flammenden Endzeiterwartung.

Schlagworte: Apokalypse, Israel, Amerika, Russland, Rom, Gog und Magog, göttliche Intervention, Jesus, Gomaa

11.11.2023

UCA News: Indonesian clerics issue fatwa to boycott Israel-linked firms

Der Rat islamischer Gelehrter Indonesiens (MUI) hat nach mehreren Meldungen eine Fatwa erlassen, die zum Boykott von Waren und Dienstleistungen von Firmen die Israel unterstützen, aufruft. Die Muslime in Indonesien sollten den Kampf der Palästinenser gegen die israelische Aggression unterstützen. Israel oder seine Unterstützer zu unterstützen sei verboten (haram). Ein Mitglied des Rates spricht sogar von Kolonialismus, Zionismus und der Ermordung der Palästinenser, deren Unterstützung so weit wie es möglich sei, zu vermeiden sei.
Trotz der zum Teil sehr deutlichen Wortwahl, kann man gewisse Abstufungen erkennen. Die (direkte) Unterstützung Israels und seiner Unterstützer sei verboten, Waren und Dienstleistungen von Firmen, die Israel unterstützen, sollen allerdings nur so weit wie es möglich sei vermieden werden. Das dürfte zum Einen daran liegen, dass die Formulierung von Waren und Dienstleistungen, die Israel unterstützen, sehr weit ist. Man könnte darunter schlicht alle Firmen verstehen, die in Israel wirtschaftlich tätig sind. Zum Anderen trägt diese Relativierung einer global vernetzten Wirtschaft Rechnung.
Schließlich ist zwar zutreffend, dass Fatwas lediglich nicht bindende Rechtsgutachten sind, allerdings können oberste staatliche Fatwaräte in den Staaten Südostasiens Fatwas durch offzielle Veröffentlichung bindend machen. Der Rat islamischer Gelehrter Indonesiens ist so ein Rat. Zudem wird ein oberster Fatwarat auch über ein gewisses Ansehen in der Bevölkerung verfügen, das seinen Fatas Beachtung verleiht.

Schlagworte: Hamas, Gaza, Israel, Boykott, Waren, Dienstleistungen, Kolonialisamus, Zionismus, Globalisierung, Bindungswirkung, MUI, Indonesien

04.11.2023

MEMRI: Qatar-Based And -Funded International Union Of Muslim Scholars (IUMS) Issues Fatwa Calling For Military Intervention By Arab And Muslim Countries Against Israel And For Gaza

Der Überfall der Hamas auf Israel hat auch zu Aktivität im Fatwawesen geführt, insbesondere im islamistischen Bereich. So hat auch die Internationale Union muslimischer Gelehrter eine Fatwa erlassen. Diese Organisation wurde von dem der Hamas nahestehenden Gelehrten und Muslimbruder Yusuf Qaradawi gegründet.
In der Fatwa werden islamische Regierungen und Militärs aufgerufen die Palästinenser in Übereinstimmung mit internationalen Vereinbarungen zu unterstützen. Das klingt noch moderat, was sich aber schnell ändert. Eine militärische Intervention sei eine religiös bindende Verpflichtung für die palästinensische Autonomiebehörde im Westjordanland und alle anderen palästinensischen Widerstandsbewegungen, für die vier Nachbarstaaten Ägypten, Jordanien, Syrien und Libanon und alle anderen islamischen Staaten in Absprache mit den Palästinensern und den vier Nachbarstaaten. Es wird an dieser Stelle also ein Krieg islamischer Staaten gegen Israel gefordert, mithin in einer sehr großen Region. Allerdings wird nicht begründet aus welchem Grund es sich um eine religiös bindende Verpflichtung handeln soll.
Die unzählbaren Verbrechen der Besatzer seien ein Holocaust (Mahraqa). Das ist eine äußerst zynische Darstellung Israels, das zudem noch für den Kollaps der Region verantwortlich gemacht wird. Damit wird ein sehr einfach gestricktes Feindbild entworfen.
Ferner seien Gelehrte, Eliten und Autoritäten religiös verpflichtet insbesondere Regierungen und Militärs so unter Druck zu setzen, dass sie umgehend eigreifen. Wenn Unrecht nicht abgewehrt würde, könne die Hoffnungslosigkeit der Menschen zu Unruhen führen. Das wird als Gefahr für die Menschen dargestellt, tatsächlich dürfte es allerdings als Gefahr für Regierungen gemeint sein. Die Fatwa selber versucht zu einem Hass anzustacheln, der sich zu einer Gefahr für Regierungen entwickeln kann. Zum Schluss folgt noch ein Ansatz einer Begründung. Der Dschihad und die Unterstützung Palästinas seien religiös verpflichtend. Das islamische Recht würde es verbieten die Aggression nicht abzuwehren. Das eröffnet eine Möglichkeit für traditionelle Gelehrte des islamischen Rechts, die nur noch einen defensiven Dschihad erlauben, hieran anzuknüpfen. Es lässt allerdings den Angriff der Hamas auf Israel außer acht.

Schlagworte: Hamas, Gaza, Dschihad, Israel, Holocaust, Westjordanland, islamische Staaten, Unruhen, Westen