Die aktuelle Fatwa: Januar 2026
31.01.2026
Egypt's Dar Al-Ifta: Using AI applications to obtain fatwas
Eine bereits am 2. Dezember erteilte Fatwa des ägyptischen Staatsmuftis zu künstlicher Intelligenz (KI) erfährt gerade in den Medien einige Aufmerksamkeit. In seiner Antwort hält er KI für grundsätzlich erlaubt, was er mit einem Koranvers (Sure 45, 13) und einer Überlieferung von Muhammad belegt. Es käme allerdings auf die Zwecke an, für die sie genutzt würde.
Dann folgt eine Definition einer Fatwa als Erklärung der Bestimmungen des islamischen Rechts auf Frage eines Laien. Auch hier werden Koranverse genannt (Suren 4, 127, 176; 12, 46). Es wird ein bedeutender mittelalterlicher schafiitischer Gelehrter zitiert, wonach ein Mufti Erbe Muhammads sei. Er würde eine gemeinschaftliche Verpflichtung übernehmen, riskiere allerdings Fehler. Er sei Unterzeichner der Worte Gottes. Dann werden Voraussetzungen, um Mufti zu sein, genannt. Er muss Muslim sein und das islamische Recht und seine Anwendung beherrschen. Vor allem werden allerdings höchste charakterliche Anforderungen an ihn gestellt. Selbst wenn man einen hohen fachlichen Rang habe, könne man einer Person, der das fehle, nicht vertrauen.
Es habe sich gezeigt, dass es künstlichen Intelligenzen an Qualität und Präzision im islamischen Recht fehle. Ihre Antworten könnten etablierten Regeln widersprechen oder falsch sein. Die Resultate beruhten nicht auf wissenschaftlicher Methode, Grundprinzipien und den richtigen Quellen. Die Anwendungen könnten die eingegebenen Informationen nicht einschätzen. Schließlich wird ein bedeutender mittelalterlicher malikitischer Jurist zitiert, nach dem es gegen den Konsens (Idschma) verstoßen würde, wenn man Regeln, die auf Brauch (Urf) basieren würden, anwenden würde, nachdem sich der Brauch verändert habe. Dasselbe gelte für Regeln, die auf dem Gemeinwohl (Maslaha) basieren würden.
Nach all dem kommt der Staatsmufti zu dem Ergebnis, dass es nicht erlaubt sei, sich auf KI zu verlassen, um eine Fatwa zu bekommen. Trotz des technischen Fortschritts würde keine Anwendung, insbesondere die menschliche Flexibilität und die Fähigkeit sich verändernde Gegebenheiten von Zeit, Ort und Umständen zu beachten, erreichen.
Das sind gewichtige Argumente, insbesondere was die Komplexität des Rechts angeht. Das Recht muss, wie ebenfalls zutreffend ausgeführt wird, dann auch noch auf Lebenssachverhalte angewandt werden. Diese muss man in der Tat einschätzen können. Für die genannten Fehler gibt es bereits den Begriff der KI-Halluzinationen. Andererseits könnte eine KI durchaus neue Wege der Rechtsentwicklung finden. Gerade das Fatwawesen steht ebenfalls für die Rechtsentwicklung, da sich durch neue Fragen neue Antworten ergeben. Es gibt also auch eine andere Seite zum Widerspruch gegen etablierte Regeln.
Schlagworte: KI, Fatwawesen, Fatwa, Mufti, Qualität, Präzision, Flexibilität, Zeit, Ort, Umstände, Staatsmuftiamt, Ägypten